Neulich meinte jemand zu mir: Meine Yogalehrerin macht nicht nur so Yogaübungen, sie bringt auch Pilates und Faszienübungen mit rein (Aha…) oder ich höre auch gerne: Hast Du mir ne Yoga-Übung gegen mein verspannten Nacken? ( Schulter, Rücken etc) Klar, hab ich. Und meist muss da, wo was verspannt ist, was anderes gekräftigt werden. Die Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. Das ist aber nicht Yoga. Genauso wenig wie ich den Pausenclown mache. Sehr gerne auf Seminaren oder wo immer ich mich als Yogalehrer oute: Sie haben doch da bestimmt ein paar Übungen für die Pause. Augenroll…. Andererseits, wem soll ich es verdenken. Ich dachte ja selber lange genug, Yoga ist Dehnen, sowieso was für ältere, zu denen ich jetzt inzwischen sogar gehöre – lach! Für alle, die nicht mehr so knackfrisch und kraftvoll sind um richtig Sport zu machen. Ich wurde eines besseren belehrt, hat aber paar Jahre gedauert.

Also, was ist Yoga?

Viele denken noch immer, Yoga ist sowas esoterisches. Eine Religion womöglich. Damit räume ich gerne auf. Yoga ist mal weltlich gesprochen ein total praktischer Leitfaden um Deinem Leben mehr Sinn zu geben und es Dir leichter zu machen. Nennen wir es – optimieren. Es bezieht Körper, Emotionen und Gefühle mit ein.

Alles kann Yoga sein. Radfahren, Klettern, Geschirrspülen. Wenn der Mindset passt. Wer dreimal die Woche ins Yoga rennt zwischen all den anderen To Dos und vor lauter FOMO kaum noch aushält, in Savasana zu liegen, weil der nächste Termin ansteht, hat noch lange keine Yogapraxis im eigentlichen Sinne. Das ist – sorry – Gymnastik.

Yoga ist mehr als nur Workout, kein Fitness-Programm und Yoga ist auch nichts zum fettverbrennen und kein Pausenstretching. Also eigentlich sind es ja tatsächlich Gymnastikübungen und die sind noch nicht mal so alt, wie allgemein angenommen wird.

Natürlich streiten sich die Hardliner, welche Tradition die wahre und echte ist. Darum geht es hier nicht. Wir müssen weder Tücher durch die Nase ziehen noch stundenlang erbrechen. Wir haben Kühlschränke und Zugang zu frischen Lebensmitteln, zumindest theroretisch. Das war nicht so damals in Indien, als diese Reinigungsrituale wichtig waren. In der ganz ursprünglichen Form von Yoga ging es fast nurmehr um Rituale. Feuer, Rezitation, da hatte keiner eine bunte Matte und hat den herabschauenden Hund praktiziert.

Es kommt auf Deine Haltung an. Warum machst Du Yoga?

Es gibt in jeder Geschenkboutique, Pinterest und Facebook täglich viele Zitate, Weisheiten und Sprüche zu diesem Thema. Mein liebster ist: „Es geht nicht darum, Deine Zehen zu berühren, sondern was auf dem Weg dahin passiert“. Oder auch, es ist die Kunst, sich selber auszuhalten.

Das bringt es für mich auf den Punkt. Sich selbst zu beobachten. Ich nenne es auch gerne auf die Schliche kommen. Was treibt Dich an? Was willst Du erreichen? Wo sind die Gedanken? Wie groß ist Dein Ehrgeiz. Wir wollen angenehmes haben, unangenehmes vermeiden oder wegmachen. Wir sind neidisch, haben Angst, werden wütend, das alles sind Dinge, mit denen wir uns tagtäglich selbst das Leben vergrätzen. Und nicht nur wir. Schon vor hunderten, tausenden von Jahren wurden genau diese sogenannten Leiden in den Yogaschriften beschrieben. Wie ich schon erwähnte: Yoga ist eine Geisteswissenschaft. Ein Weg der persönlichen Transformation. Turnen kam viel später dazu.

Viele heutigen Yogastunden haben wenig mit dem traditionellen Hatha Yoga zu tun, um mal eine Tradition herauszupicken. Da gehörte neben ein paar wenigen Körperpositionen unter anderem auch Atem, Rezitation von Mantren, Meditation dazu. Das ist aber auch erstmal nicht schlimm. Denn wir westlichen Menschen brauchen meist den Zugang über den Körper, die Übungen, das Schwitzen, den Muskelkater. Das ist der Einstieg.

Dann die ganzen Yogastile. Im Internet brennt unter den unterschiedlichen Fraktionen lichterloh der Streit, was denn nun das wahre Yoga ist. Schaut man heute in ein Yogastudio, oder gar Fitness Studios gibt es gravierende Unterschiede. Wird ein Ashtanga Yoga Studio quasi mit Ujjayi- Atmung betreten, wurde ich letztes Jahr von einem Lehrer mit Abscheu und Herablassung gebeten, doch endlich mit der unsäglichen Ujjayi Atmung aufzuhören. Also was jetzt?

Neulich schrieb mir eine Teilnehmerin, dass sie einen Aha-Moment hatte als ich während einer Stunde sagte: Die Asanas sind nur das Werkzeug, um uns auf die Meditation vorzubereiten (sinngemäß). Ein alter, sehr traditioneller Pranayama-Lehrer (so nennt man die Atemtechniken) formulierte es so: Der Atem ist wie die Lenkschnur eines Drachens. Und unser Geist ist der Drachen, der da oben herumtanzt und kaum zu bändigen ist.

Es geht letztlich darum, erstmal den Körper durchzubürsten, stagnierte Energien und Blockaden zu lösen. Also die Hüfte und Schultern geschmeidig zu machen, damit man vernünftig sitzen kann. Ich breche es bewusst ganz simpel herunter. Und wenn man vernünftig, entspannt sitzt, so dass es nirgends mehr zwickt und zwackt, dann kannst Du Dich anfangen nach innen zu wenden und mal schauen, was da so abgeht. Und da wird es dann ziemlich laut und die Gedanken fangen an zu rasen. Und jetzt wird es interessant. Denn hier rennen die meisten weg. Die kommen nicht in die ruhigen Yin Stunden (ist nicht so meins) und brauchen ewig in die Ruhe zu finden und nochmal aufs Klo, damit Savasana nicht so elendig lange ist. Und das ist der nächste Mythos: Bei der Meditation geht es nicht darum die Gedanken anzuhalten oder den Kopf leerzumachen. Das geht gar nicht. Aber sich zu beobachten, was da vorbeikommt und dem nicht mehr soviel Bedeutung zu schenken. Sich nicht ins Drama hereinziehen zu lassen. Da gibt es dann wieder ganz unterschiedliche Methoden um aus dem Reaktionsreiz langsam in den Gleichmut zu finden. Also langsam heisst monatelange, jahrelange Übung.

Yoga ist megakomplex. Es reicht ein Leben nicht aus, die Schriften und unterschiedlichen Linien und Philosophien zu lesen. Ist auch nicht mein Anspruch. Ich möchte es für mich lebbar herunterbrechen und Dich gerne dazu inspirieren, Dich auf den Weg zu begeben.

Es geht um sinnhaftes Handeln. Dem was Du tust einen Sinn zu geben. Den darf sich jeder selbst überlegen.

Ich möchte Dir eine Idee davon geben, was Yoga für Potentiale bietet und wenn es Dich anspricht gerne auf dem Weg begleiten und auch Bücher empfehlen oder KollegInnen, die Themen vertiefen.

Für mich ist Yoga ein wunderbares Instrument mein Leben so zu ändern, dass ich mir und anderen weniger Leid zufüge. Meinem Tun und Handeln eine Bedeutung zu geben. Mich ständig zu hinterfragen

Was ist Yoga für Dich?