Was ist Selbstbestimmung und warum ist sie mir so wichtig?

Offenbar sehr, sonst stünde sie nicht auf Platz 1

„So gehst Du mir nicht aus dem Haus“

Diesen Satz habe ich von meiner Mutter nicht nur einmal gehört. Ob sie Recht hatte, mag dahingestellt sein. Pubertäre Mode deckt sich nun mal nicht immer mit gesellschaftlichen Konventionen oder gar denen der Mutter. Also selten. Wie solche Sätze ein Kind für sein Leben lang prägen können, merken wir leider oft erst, wenn es zu spät ist. Nämlich im Erwachsenenalter, wenn sich Persönlichkeitsstörungen bemerkbar machen.

Nur, habe ich diesen Satz so ähnlich mit 40 nochmals gehört. Als es darum ging, zu den Eltern meines damaligen Partners zu gehen. Meine Bluse schien ihm nicht angemessen genug.

Damals habe ich mich brav umgezogen, ich wollte ja… ja was denn eigentlich?

Ich wollte ihm keinen Ärger machen, keinen mit ihm bekommen, nicht, dass er vor seinen Eltern blöd dasteht, den Eltern gefallen etc. pepepe. Die Liste lässt sich ewig fortsetzen.

Selbstbestimmung geht aber weiter. Weiter als Kleidung, die ich mir selbst aussuche, egal in welchem Alter.

„Wie magst Du eigentlich Deine Eier“?

Ein Satz aus einem Film mit Julia Roberts. Sie hat die Eier immer genau so bestellt, wie ihr aktueller Partner. Sie wusste letztlich gar nicht, wie sie ihre Eier eigentlich am liebsten mag. Am Ende hat sie glaube ich alle Varianten bestellt und sich dann selbst durchprobiert.

Selbstbestimmtheit braucht Klarheit und Wissen: Was will ich denn überhaupt?

Wie werde ich Selbstbestimmt?

Um das herauszufinden, muss ich mich mit mir auseinandersetzen. Das geht sehr oft verloren im Alltag. Beim Kümmern um die Belange der Familie, im Job. Das ist auch absolut normal und ist uns hormonell sogar mitgegeben, dass wir in den Zwanzigern bis Mitte Dreißigern im Versorgungsmodus ticken.

Irgendwann jedoch ist es wichtig, dass wir nach uns selbst schauen. Wie das absolut abgelutschte Beispiel mit der Sauerstoffmaske im Flieger immer wieder zeigt: Erst musst Du für Dich sorgen, dann für die anderen.

Selbstbestimmung und Selbstfürsorge hängen für mich sehr eng zusammen.

Wie aber finde ich es heraus? Indem ich Zeit mit mir selbst verbringe. Alleine.

Bei einem Spaziergang im Wald, beim Yoga, beim Meditieren. Überall da, wo ich mal mit mir, meinem Körper, meinen Gedanken alleine sein kann. Und hier kommt die Crux: Du nimmst sie Dir zu selten, stimmts?

Manche haben auch Angst davor. Stetiger Aktionismus, Verabredungen und ein Terminkalender der kaum eine Lücke fürs Zähneputzen lässt bringen uns immer weiter weg von uns selbst und dann wissen wir gar nicht, was wir eigentlich wollen. Wir sind im Autopilotmodus und irgendwann einfach nur noch gestresst, gehetzt, genervt. schlafen schlecht, nehmen zu.

Selbstbestimmung steht auch für Freiheit. Mir die Freiheit zu nehmen, Dinge zu tun oder eben auch zu lassen.

Die Freiheit einen Job zu kündigen, eine Beziehung zu verlassen, eine Jeans auf eine Hochzeit anzuziehen oder eben zu einer Uhrzeit zu essen, zu der ich Hunger habe.

Should I stay or should I go?

Diese Frage stellen sich heute viele Frauen ab Mitte 40. Ich habe sie mir auch gestellt. Und erst die Beziehung beendet und ein halbes Jahr später einen sicheren Job gekündigt. Erst heute ist mir klar, was da passiert ist mit mir und welche Schritte es gebraucht hat, dass mein heutiger Partner ungläubig den Kopf schüttelt wenn ich erzähle, was ich alles habe mit mir machen lassen in der Vergangenheit.

Und ich gebe niemandem die Schuld dafür.

Es sind viele kleine Schritte, die Veränderung und Transformation erlauben. Meine Yogapraxis hat sich über die Jahre verändert, ich sitze mehr in Stille, gehe spazieren, mache Workouts zum auspowern. Es ist total individuell und verändert sich über die Jahre. Das darf es auch. Wir sind Wesen der Veränderung.

Es ist kein Zufall. Mit Mitte vierzig stellen sich unsere Hormone um. Vom Muttergluckentum kommt langsam das Erwachen. Richtung „Jetzt bin ich endlich mal dran“. Und das ist einerseits absolut erklärbar, da das Gluckenhormon Östrogen weniger wird und sich dadurch auch eine Art geistiger Nebel hebt in dem wir einfach vieles gut wegstecken konnten, sonst wären wir wahrscheinlich noch früher durchgedreht. Das hat die Natur schon gut eingerichtet so. Ob Kinder oder nicht. Ich selbst habe keine Kinder und trotzdem habe ich diese Veränderung bemerkt, weil ich einfach nach 17 Jahren die Schnauze voll hat von meinem Job und es auch endlich aussprechen konnte.

Nun heißt es gut hinzuschauen, wo kommt der Frust her. Was habe ich da alles angesammelt? Schicht für Schicht können wir uns langsam näherkommen und dann die richtigen Entscheidungen treffen.

Bei mir hat dieser Prozess bis jetzt 6 Jahre ca gedauert. Die Perimenopause dauert bis zu 10 Jahren(+/-). Es ist ein sehr komplexer Vorgang von Veränderungen in Körper und Gehirn. Es ist eine Transformation in der wir buchstäblich neuronal neu verkabelt werden. Ein tolles Entwicklungsstadium und wir haben die Chance, wenn wir diese Phase bewusst erleben, unseren Körper und unsere Seele zu heilen.

Ziel: Selbstbestimmt und frei zu leben.

Selbstbestimmung ist gesunder Egoismus

Oder anders gesagt, ist Egoismus uns als negativ anerzogen worden. Sich von diesen alten Glaubenssätzen loszulösen, kann sehr befreiend sein.

Sag ja zu Dir selbst.